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Michael Lentz, 1964 in Düren geboren, studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie in Aachen und München. 1998 promovierte er über „Lautpoesie nach 1945“. Seither machte er sich als Autor, Musiker (Saxophonist) und Vortragskünstler, besonders als Interpret experimenteller Texte und Lautgedichte einen Namen. Michael Lentz lebt in Berlin. Er ist Präsident der Freien Akademie der Künste zu Leipzig und Gastprofessor am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 2001 erhielt er den Ingeborg-Bachmann-Preis und 2002 den Förderpreis des BDI. Seine jüngsten Prosabände „oder.“, „Muttersterben“ und der Lyrikband „Aller Ding“ sind im S. Fischer Verlag erschienen.
Begründung der Preisvergabe an Michael Lentz
Michael Lentz, der die Geschichte der Lautpoesie in der zweibändigen Darstellung „Lautpoesie/-musik nach 1945“ erschlossen und parallel dazu den Kontakt und die Auseinandersetzung mit großen internationalen Performancekünstlern gesucht hat, gelang damit wie kaum einem zweiten Autor der Gegenwart, die Möglichkeiten der Lesung und des öffentlichen Auftritts auszuloten und zu erweitern.
Seine Auftritte sind wuchtige, präzise inszenierte, aber nie berechenbare Konfrontationen mit unser „Aller Ding“ Sprache. „Musikalisierung, Rausch, (Selbst)Überwindung, Sprechen als Trieb(leben), Vitalisierung, Sprechen als Sport, schneller als (begriffliches) (Mit)Denken sein (wollen), sich jung fühlen, Großstadtpotpourri der Laute; Ernst machen mit dem Gerede von Geschwindigkeit als alltägliche Erfahrung, Reflex dieser Erfahrung als ästhetisches Erleben, Brainstorming, Pulsieren, außer sich sein, aus seinem Munde hervorgehen, und der ‚Volksmund’ ist mitten drin; Erinnerung an meine Herkunft“. So bezeichnet Lentz selbst die Effekte und Erkenntnisse, die seine Lesungen vermitteln – auch ihm selbst vermitteln. Denn bei aller Virtuosität des Vortrages bleibt immer spürbar, dass Lentz jeden Auftritt als Herausforderung, als Anstrengung begreift, die es sich lohnt zu unternehmen. Und dies aus dem Bewußtsein heraus, dass durch jedes Detail, jede Abweichung von der (eigenen) Erwartung schöne, erhellende, peinliche, unbekannte Momente entstehen können. Momente, in denen die existentielle Dimension, die einer Lesung wie jeder anderen Sprechsituation innewohnt – ein Mensch versucht, mit den begrenzten Mitteln der Sprache etwas als vielsagend Empfundenes zu kommunizieren – auf eine selten intensive Art erlebbar wird.
Dafür, dass Lentz in seinen Auftritten und den ihnen zugrunde liegenden Texten Existentialität, Virtuosität, Risiko, Witz, Ideenreichtum und Formbewußtsein vermittelt, zeichnen ihn die Literaturhäuser Berlin, Hamburg, Frankfurt, Salzburg, München, Köln, Stuttgart und Leipzig mit dem Preis der Literaturhäuser 2005 aus.
Die Mitglieder der Jury:
Thomas Böhm (Literaturhaus Köln), Tomas Friedmann (Literaturhaus Salzburg), Maria Gazzetti (Literaturhaus Frankfurt), Florian Höllerer (Literaturhaus Stuttgart), Rainer Moritz (Literaturhaus Hamburg), Birgit Peter (Literaturhaus Leipzig), Ernest Wichner (Literaturhaus Berlin), Rainer G. Wittmann (Literaturhaus München)
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