Projekte     Peter Kurzeck - Preis der Literaturhäuser 2004  
 

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Peter Kurzeck - Fotos © Stroemfeld Verlag

Peter Kurzeck ist mit dem "Preis der Literaturhäuser" 2004 ausgezeichnet worden. Damit ist Peter Kurzeck der dritte Träger dieses Preises - nach Ulrike Draesner (2002) und Bodo Hell (2003). Die Programmleiterinnen und Programmleiter der Literaturhäuser Berlin, Hamburg, Frankfurt, Salzburg, München, Köln, Basel und Stuttgart haben den neuen Preisträger am Freitag Nachmittag auf der Leipziger Buchmesse bekannt gegeben.

Vom 27. April bis 26. Mai wird der Autor, dessen jüngster Roman "Ein Kirschkern im März" soeben im Stroemfeld Verlag erschienen ist, in den zum literaturhaeuser.net zusammengeschlossenen Literaturhäusern im Rahmen einer Lesereise auftreten.

Peter Kurzeck wurde 1943 in Böhmen geboren und wuchs in Staufenberg bei Gießen auf. Er lebt heute in Frankfurt a.M. und in Uzès, Südfrankreich. Literaturpreise u.a.: Alfred-Döblin-Preis (1991), Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1999), Hans-Erich-Nossack-Preis (2000), Stadtschreiber Bergen-Enkheim (2000/01). Veröffentlichungen u.a.: "Vor den Abendnachrichten", Erzählungen (Das Wunderhorn) 1996; "Übers Eis", Roman 1997; "Als Gast", Roman, 2003; "Ein Kirschkern im März", Roman, März 2004 (jeweils im Verlag Stroemfeld/Roter Stern erschienen).

Der Preis der Literaturhäuser prämiert jährlich einen Autor, der sowohl mit seinem literarischen Werk als auch mit seinem Vortragsstil ästhetische Maßstäbe setzt. Der Preis besteht aus einer Lesereise durch alle im literaturhaeuser.net zusammengeschlossenen Literaturhäuser und ist mit insgesamt 8.000,- € dotiert.

Peter Kurzeck tritt 2004 in den Literaturhäusern jeweils um 20.00 Uhr wie folgt auf:
27. April in Frankfurt, 3. Mai in Köln, 4. Mai in Basel, 7. Mai in Berlin, 11. Mai in Hamburg, 19. Mai in Stuttgart, 25. Mai in München und am 26. Mai in Salzburg.

Im Anschluss an die Lesereise lädt der Kunst:Raum Sylt-Quelle den Preisträger zu einem vierwöchigen Arbeitsstipendium in Rantum/Sylt ein.


Begründung der Preisvergabe an Peter Kurzeck

Die Faszination entsteht in dem Moment, in dem man in das Labyrinth seiner Beobachtungen eintaucht: Mit disparaten, minutiösen Aufzeichnungen gelingt es Peter Kurzeck, Motive, Bilder, Augenblicke seines Lebens, Menschen in Kneipen und Wohngemeinschaften in einer offenen Erzählstruktur zu inventarisieren. Er kennt jeden Winkel, jede Straße der Stadt, in der er "als Gast" wohnt - mit einem Lebensgefühl, in dem das Gehen ein Lebenszustand ist.

Seit Jahren verknüpft und verschränkt Peter Kurzeck so seine mittlerweile neun Bücher zu einem einzigartigen monumentalen Erinnerungswerk und zu einem einzigen autobiographischen Zeitroman, der von der Nachkriegszeit bis in die achtziger Jahre, und geographisch von Staufenberg bei Gießen bis nach Frankfurt am Main reicht, zu dessen gründlichstem Beobachter er wurde - so auch in seinem neuen Buch "Ein Kirschkern im März", das Ende März 2004 erscheint.

Eigentlich hatte er über das Jahr 1977 schreiben wollen, über den Terrorismus und den deutschen Herbst - dann meldeten sich aber all seine Erinnerungen an das Vergangene und Private zu Wort und Peter Kurzeck begann, bundesrepublikanische Wirklichkeit zu beschreiben: "Wenn ich mich nicht erinnere, ist der Tag nicht gewesen". Hat ein Schriftsteller diese ungeheure immerwährende Protokollmanie, dann ist jede Beobachtung wichtig und jede Ruhe dahin - denn es soll keine natürliche Lücke in der Erinnerung eine Chance haben. Dafür braucht der Autor jeden Tag, jede Stunde und jedes Buch, das er schreibt.
Peter Kurzeck wurde - zu Recht - mit Proust, Joyce und Döblin verglichen, aber mit seiner eigenwilligen, schöpferischen Syntax gelingt ihm ein neuer, unverwechselbarer Umgang mit Literatur und Erinnerung. Die Programmleiter der Literaturhäuser würdigen so mit ihrem Preis an Peter Kurzeck eines der ungewöhnlichsten Zeitroman-Projekte der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.

Seine Schreibstrategie ist das konsequente Selbstgespräch in vielen Stimmen. "Unterwegs mit den Stimmen reden. Mit mir, mit dem Tag, mit den Umständen", damit er weiß, so schreibt Peter Kurzeck, "wer er ist und daß er gewesen ist, der Tag". Die dialogisierende, verknappte, temporeiche Sprache bildet einen mitreißenden Sog, wenn der Autor liest. Der Preis der Literaturhäuser gilt auch dieser Faszination des Vortrags. Der leicht zaudernde, gedehnte Ton und das Staunen in seiner Stimme verwandeln die Lesungen in einen langen inneren Monolog, und die Zuhörer tauchen ein in eine wiedergefundene Zeit. Kurzeck liest und die Zuhörer erleben die Vervollkommnung einer süßen Obsession. Und selten ist ein Vorleser so identisch mit seinem Text.

 
           
       
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