VON SPIEL ZU SPIEL
„Der Mensch ist da Mensch, wo er spielt“ –
das trifft’s, Herr Schiller. Gut gezielt!
Vom Vorspiel einmal abgesehn –
ein Spiel wird erst durch Regeln schön.
Die – nur ein Beispiel – untersagen,
sich mit, statt auf dem Brett zu schlagen.
Und die beim Fußball darauf zielen,
den Ball nur mit dem Fuß zu spielen.
Denn Hand- wie Foulspiel öffnen Türen,
die statt ins End- zum Nachspiel führen.
Doch stets gilt, daß der Weg das Ziel ist,
weil nach dem Spiel schon vor dem Spiel ist.
Robert Gernhardt
Robert Gernhardt, 1937 in Reval/Estland geboren, studierte Malerei und Germanistik in Stuttgart und Berlin. Seit 1964 lebt er als Schriftsteller, Maler, Zeichner und Karikaturist in Frankfurt am Main. Er war Redakteur der Satirezeitschrift „Pardon“ und Mitbegründer der Rubrik „Welt im Spiegel“, die die neuere humoristische Literatur erheblich beeinflusste. 1979 gründete Gernhardt gemeinsam mit Eckhard Henscheid u.a. die „Neue Franfurter Schule“, deren
Publikationsorgan das Satiremagazin „Titanic“ wurde.
Im Laufe der 90er Jahre wurde Gernhardt zunehmend als Lyriker bekannt. Heute gilt er als einer der wichtigsten zeitgenössischen Dichter deutscher Sprache. Seit 2003 liest er in der Sendung „Druckfrisch“ in der ARD regelmäßig ein zeitkritisches Sonett. Robert Gernhardt erhielt zahlreiche Preise und Ehrungen, darunter den e.o.plauen-Preis (2002), den Rheingauer Literaturpreis (2002), den Heinrich-Heine-Preis (2004) und den Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik (2004).
Veröffentlichungen u.a.: In Zungen reden. Stimmenimitationen von Gott bis Jandl. Frankfurt (Fischer Taschenbuchverlag) 2000 und als Hörbuch München (HörVerlag) 2001; Im Glück und anderswo. Gedichte. Frankfurt
a.M. (S. Fischer Verlag) 2002; gemeinsam mit Claus Cäsar Zehrer (Hrsg.): Hell und schnell. 555 komische Gedichte aus 5 Jahrhunderten. Frankfurt a.M. (S. Fischer Verlag) 2004; Die K-Gedichte. Frankfurt a.M. (S. Fischer Verlag) 2004; Schiller-Gedichte. Audio CD. Berlin (Audio-Verlag) 2005.
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