Projekte     Orient-Gespräche mit dem ZEITForum der Literatur  
 

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Eine Veranstaltungsreihe von literaturhaeuser.net und DIE ZEIT, mit freundlicher Unterstützung von ARTE.

12. Februar 2004, 20.00 Uhr
ZEITForum der Literatur: Orient-Gespräche im Literaturhaus Hamburg
mit den algerischen Autoren Boualem Sansal und Yasmina Khadra

Die gegenwärtig bedeutendsten Schriftsteller Algeriens Boualem Sansal und Yasmina Khadra erweisen sich in ihren Romanen als schonungslose Analytiker ihrer Heimat. Sansals erster Roman "Der Schwur des Barabaren" (Merlin Verlag, 2003) ist ein als Politkrimi getarnter, sarkastischer und sprachmächtiger Rundumschlag gegen die politischen Akteure seines Landes. Das zeugt von unerhörtem Mut, denn Sansal, bis vor kurzem noch hoher Beamter im Industrieministerium und jetzt von der Fatwa bedroht, ist einer der letzten noch in Algerien gebliebenen Schriftsteller. "Der Schwur des Barbaren" wird nach einem Drehbuch von Jorge Semprun verfilmt.
Nach einer 36-jährigen Laufbahn beim algerischen Militär, von der Kadettenschule bis hin zum Major, lebt Yasmina Khadra seit 2000 im Exil, zunächst in Mexiko, jetzt in Frankreich. Sein vielfach übersetzter Roman "Wovon die Wölfe träumen" (Aufbau Verlag, 2002) zeichnet, als Innensicht des Terrors die Genese des Abstiegs einer Gesellschaft in die Barbarei präzise nach. In seinem jüngster Roman "Die Schwalben von Kabul (Aufbau Verlag, 2003) befasst sich der 1955 geborene Autor mit der Talibanherrschaft und der zwischen Feudalismus und Modernität zerrissenen islamischen Gesellschaft.

4. März 2004, 20.00 Uhr
ZEITForum der Literatur: Orient-Gespräche im Literaturhaus Salzburg

mit dem Israeli Yitzhak Laor und der Palästinenserin Sahar Khalifa
Moderation: Thomas Mießgang, DIE ZEIT

Yitzhak Laor, 1948 in Pardes Hanna geboren, ist in seiner Heimat Israel ein vor allem aus politischen Gründen umstrittener Dichter, Bühnenautor, Romancier und Essayist. In seinen Texten bezieht er engagiert Stellung zur israelischen Militärpolitik, kritisiert die Verantwortlichen und die Fundamente nationaler Identität. Seine Romane wurden von der Kritik begeistert aufgenommen. 1992 erhielt er den Bernstein-Poesiepreis, 1994 den Israelischen Literaturpreis. Yitzhak Laor lebt heute in Tel Aviv. 2003 ist im Unionsverlag sein Roman "Steine, Gitter, Stimmen" erschienen.
"Mit Sahar Khalifa ist eine repräsentative Stimme der arabischen Literatur vernehmbar geworden." (FAZ) Sie gilt als bedeutendste Romanautorin der palästinensischen Literatur, als erste feministische Autorin Palästinas, und verwendete als eine der Ersten umgangssprachliches neben klassischem Arabisch. Ihre Werke sind in zahlreiche Sprachen übersetzt. Sahar Khalifa wurde 1941 in Nablus/Palästina geboren, lebt heute in Nablus und Amann. Sie studierte englische und amerikanische Literatur in Bir Zeit und in den USA. Als die Israelis 1967 den Gaza-Streifen und die Westbank besetzten, begann sie zu schreiben. Auf Deutsch ist ihr Buch "Das Erbe" (2002) im Unionsverlag erschienen.

18. März 2004, 20.30 Uhr
ZEITForum der Literatur: Orient-Gespräche im Literaturhaus München
mit Peter Scholl-Latour
Moderation: Michael Thumann, DIE ZEIT

In seinem neuen Buch "Weltmacht im Treibsand. Bush gegen die Ayatollahs" zieht Peter Scholl-Latour eine Bilanz des Antiterror-Kriegs. Nicht nur im Irak, im gesamten Nahen Osten entfaltet sich ein historisches Drama, das der Weltmacht USA schneller als erwartet ihre Grenzen aufzeigt. Aufgrund jüngster Eindrücke in der Konfliktregion und jahrzehntelanger Kenntnis der dort wirkenden politischen und religiösen Kräfte gelingt Scholl-Latour eine überzeugende Analyse dieses Brennpunkts der Weltpolitik.
Peter-Scholl-Latour, 1924 geboren, arbeitet seit 50 Jahren als Journalist, war u.a. ARD-Korrespondent in Afrika und Indochina, ARD-Studioleiter in Paris, Fernsehdirektor des WDR und Herausgeber des Stern. Seine TV-Sendungen fanden höchste Beachtung. Er schrieb mehrere Sachbücher, u.a.: "Lügen im Heiligen Land: Machtproben zwischen Euphrat und Nil" (Siedler Verlag, 1998), "Allahs Schatten über Atatürk: die Türkei in der Zerreißprobe" (Siedler Verlag, 1999), "Kampf dem Terror - Kampf dem Islam?" (Propyläen Verlag, 2002).

22. März 2004, 20.00 Uhr
ZEITForum der Literatur: Orient-Gespräche im Literaturhaus Stuttgart

mit der iranischen Schriftstellerin und Comic-Autorin Marjane Satrapi
Moderation: Matthias Naß, DIE ZEIT

Marjane Satrapi, von der im Literaturhaus Stuttgart noch bis zum 30. April die Ausstellung "Persepolis" zu sehen ist, spricht mit Matthias Naß über den Iran, über historische Entwicklungen, iranische Kultur und Literatur sowie über die aktuelle politische Lage. Satrapi wurde 1969 im Iran, in Rasht, geboren. Sie wuchs in Teheran auf und besuchte dort das Lycée Français. Unter dem Druck der politischen Verhältnisse schickten die Eltern das 14jährige Mädchen nach Wien. Heute lebt Marjane Satrapi in Paris, wo sie "Persepolis" begann, eine Autobiographie in Comicform. Vier Bände sind erschienen, in denen Satrapi die eigene bewegte Kindheits- und Jugendgeschichte auf virtuose Weise mit der Geschichte ihres Landes verknüpft. Im März 2004 erscheinen die ersten zwei Teile im Schweizer Verlag Edition Moderne auf Deutsch.

1. April 2004, 20.00 Uhr
ZEITForum der Literatur: Orient-Gespräche im Literaturhaus Basel

mit den irakischen Autorinnen Mona Yahia und Alia Mamduch
Moderation: Achatz von Müller, DIE ZEIT

Von Diskriminierung, Identität und Flucht handelt Mona Yahias Debüt-Roman "Durch Bagdad fließt ein dunkler Strom" (Eichborn Verlag, 2002). Es ist die Geschichte der letzten Juden in Bagdad, die auch ihre eigene Geschichte ist. Dafür erhielt sie 2001 den Jewish Quarterly Wingate Prize. Mona Yahia, 1954 in Bagdad geboren, emigrierte mit ihrer Familie 1971 nach Israel. Sie studierte Klinische Psychologie und arbeitete als Psychologin in Tel Aviv. Anschließend ging sie nach Kassel, wo sie an der Hochschule der Bildenden Künste ihr Kunstdiplom machte. Seit 1997 lebt und arbeitet sie als Künstlerin und Autorin in Köln.
Aus der Perspektive eines 9jährigen Mädchens schildert Alia Mamduch in ihrem Roman "Mottenkugeln" (Lenos-Verlag, 1998) das Bagdad der 50er Jahre. Sie fängt darin den Alltag eines Armenviertels und den Lebensraum einer muslimisch geprägten Welt ein. Alia Mamduch wurde 1944 in Bagdad geboren. Nach dem Studium der Psychologie arbeitete sie als Chefredakteurin der irakischen Zeitschrift al-Râsid und der libanesischen Zeitschrift
al-Fikr al-Mu'asir sowie als Kulturjournalistin in Rabat. Die Schriftstellerin lebt seit Jahren in Paris. Im Herbst 2004 erscheint ihr neuer Roman "Leidenschaft".

7. April 2004, 20.00 Uhr
ZEITForum der Literatur: Orient-Gespräche im Literaturhaus Berlin

mit den marokkanischen Autoren Touria Hadraoui und Abdallah Zrika

Touria Hadraoui, 1957 in Casablanca geboren, ist Sängerin und Interpretin marokkanischer Malhoun-Lieder. Der Malhoun ging aus der klassischen arabischen Gedichtform, der metrisch strengen Quasida hervor. Bevor sich Touria Hadraoui ganz dem Gesang widmete, war sie journalistisch tätig; sie war Mitbegründerin der Zeitschrift "Kalima", die sich vor allem frauenpolitischen Themen widmete und 1989 verboten wurde. Außerdem schreibt sie Romane ("Une enfance marocaine", 1998) und engagiert sich in Frauen- und Kulturvereinigungen.
Abdallah Zrika, 1953 geboren, wuchs in einem Armenviertel von Casablanca auf. Der Autor von Gedichten, Kurzgeschichten und eines Romans ("Die Frau mit den zwei Pferden", 1991) zählt heute zu den bekanntesten Autoren Marokkos. 1978 kam Abdallah Zrika wegen der "Unmoral" seiner Gedichte für zwei Jahre ins Gefängnis. In Frankreich veröffentlichte er den arabisch-französischen Band "Bougies noires" (La Différence, Paris 1998); in deutscher Übersetzung sind Gedichte von ihm in dem Band "Die Farbe der Ferne" (hg. von Stefan Weidner, C.H. Beck Verlag, 2000) erschienen. Peter Becker liest die deutschen Texte.

27. April 2004, 20.00 Uhr
ZEITForum der Literatur: Orient-Gespräche im Literaturhaus Köln

mit dem syrischen Literaturwissenschaftler und Essayisten Abdo Abboud
Moderation: Jens Jessen, DIE ZEIT

Professor Abdo Abboud ist einer der bedeutendsten Essayisten und Analytiker der zeitgenössischen und deutschsprachigen Literatur im arabischen Raum. Er hat in Deutschland bei Adorno und Habermas studiert. Bereits seine Doktorarbeit, die er 1984 an der Universität Frankfurt vorlegte, befaßte sich unter dem Titel "Deutsche Romane im arabischen Orient" mit der Rezeption deutschsprachiger Literatur. (Weitere Titel sind: "Der moderne deutsche Roman. Eine komparatistische Untersuchung", 1993; "Die Emigration der Texte. Eine Studie über Literaturübersetzungen und Kulturaustausch", 1995; "Die moderne deutsche Kurzgeschichte in arabischer Übersetzung", 1996) Seit 1999 ist er Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Damaskus.
Das Gespräch wird sich nicht nur mit dem Austausch zwischen deutscher und arabischer Literatur und der syrischen Gegenwartsliteratur befassen, sondern auch mit Themen wie dem Dialog der Kulturen und Übersetzungen im Rahmen des Kulturaustauschs.

 
           
       
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