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20.11. - 16.12.2003
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"Der zunehmende Nationalismus in allen Teilen der Welt, die gefährlichen Minderheitenkonflikte in Osteuropa und die wachsende Xenophobie in Westeuropa unterstreichen erneut einen der hervorstechendsten Widersprüche unserer Zeit, nämlich zwischen einer zentrifugalen, kosmopolitischen Moderne und dem zentripetalen Bedürfnis (oder zumindest der Sehnsucht) nach Zugehörigkeit, und konfrontieren uns täglich mit der uralten, immer wieder neuen Problematik des Fremden."

Norman Manea

Die großen Migrationsbewegungen des 20. Jahrhunderts, Flucht, Vertreibung, Exil, aber auch selbstgewähltes Nomadentum aus purem Entdeckerdrang haben eine neue Art von Weltliteratur entstehen lassen; Werke, die nicht länger an nationale Kulturkonzepte gebunden sind, sondern sich der Vielheit, dem Fremden und der Durchmischung kultureller Ausdrucks- und Repräsentationsformen widmen. Die sieben in literaturhaeuser.net zusammengeschlossenen Literaturhäuser Berlin, Hamburg, Frankfurt, Salzburg, München, Köln und Stuttgart stellen im November und Dezember 2003 international renommierte Autoren vor, die in ihrem Werk den Wechsel der Kultur inhaltlich, politisch und ästhetisch reflektieren.

James Joyce, Gertrude Stein und Samuel Beckett haben sich bereits im frühen 20. Jahrhundert Schreiborte außerhalb ihrer Herkunftsländer gesucht; im Zeichen zunehmender Mobilität werden solche Ortswechsel im 21. Jahrhundert innerhalb der EU und weltweit häufiger. "Ortsversetzt" entsteht eine Literatur, in der sich die Elemente von Herkunft und neuer Erfahrung kreuzen, um etwas Neues, Drittes hervorzubringen.

Die deutschen Schriftsteller, die vor dem Nationalsozialismus ins Exil flohen, hielten noch bis auf wenige Ausnahmen an ihrer Sprache fest. Auch Vladimir Nabokov empfand sich in seinem Berliner Exil als russischen Schriftsteller unter Russen. Aber schon Josef Brodsky schrieb in den USA Russisch und Englisch. Und Schriftsteller wie Guillermo Cabrera Infante, Kazuo Ishiguro, Salman Rushdie,V.S. Naipaul, die den Kulturkreis ihrer Eltern oder ihrer eigenen Jugend verlassen haben, zählen heute ganz selbstverständlich zu den bedeutendsten Schriftstellern Großbritanniens. Andere haben ihren Kontinent, nicht aber auch die Sprache gewechselt, z.B. Tahar Ben Jelloun und Abdelwahab Meddeb.

Beibehaltung oder Wechsel der Literatursprache, das ist eine der wichtigsten Entscheidungen von Schriftstellern, die in einen neuen Kulturkreis eintreten. Wichtiger noch als die Sprachentscheidung ist, dass fast alle der genannten Autoren die Wirklichkeit beider Kulturen in ihre Texte aufnehmen. Sei es, dass Stoffe und Betrachtungsweisen aus der Herkunftskultur einer Revision unterzogen werden, dass es zu Amalgamierungen beider Kulturen kommt oder dass Kritik und Krise zu einem neuen Dritten führen, das jenseits national eingefärbter Wahrnehmungsweisen auf hohem literarischen Niveau "transnational" rezipiert und verstanden werden kann.

Die Autoren:
Kader Abdolah
Carmen-Francesca Banciu
Rada Biller
Hussain Al-Mozany
Leila Chammaa
Sandra Cisneros
Assia Djebar
Catalin Dorian Florescu
Adel Karasholi
Navid Kermani
Alberto Manguel
Abdelwahab Meddeb
Sélim Nassib
Andreï Makine
Omar Lara
Michail Kononow
Marjane Satrapi
Gary Shteyngart
Dubravka Ugresic Bassam Tibi
Ricardo Piglia
José F.A. Oliver

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Eine Veranstaltungsreihe von literaturhaeuser.net, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, mit freundlicher Unterstützung von ARTE.

20.11. - 16.12.2003
Berlin, Hamburg, Frankfurt, Salzburg, München, Köln und Stuttgart

 
           
       
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